Was ist Taijiquan?

Taijiquan wird heute hauptsächlich praktiziert, um gesund zu bleiben, spirituell zu wachsen und den Alltag stabil, achtsam und ausgeglichen meistern zu können. Vom Ursprung und Wesen her ist es jedoch eine Kampfkunst.

 

Wie passt das zusammen?

Taijiquan ist anders als die meisten anderen Kampfkünste. Im Vordergrund des Trainings steht nicht der äußerliche Technikdrill, sondern der "Weg nach innen", d.h. die Neuausrichtung der Körperstruktur und das Zusammenführen von geistiger Ausrichtung und innerer Lebensenergie mit der äußeren Bewegung.

Die meisten von uns sind im Alltag glücklicherweise keiner direkten Gewalt ausgesetzt. Wir prügeln uns nicht mit anderen Leuten, sondern müssen uns gegen Krankheitserreger, Unfallgefahren, Stress und emotionale Blockaden zur Wehr setzen. Als innere Kampfkunst ist Taijiquan gegen all diese modernen Gegner mindestens so wirkungsvoll wie gegen einen direkten physischen Angriff.

Taijiquan wurde im 17. Jh. von General Chen Wangting entwickelt. Großmeister Chen Xiaowang ist nicht nur direkter Nachfahre von Chen Wangting, Oberhaupt der Chen-Familie in der 19. Generation, sondern vertritt die Kunst des Taijiquan auch auf weltweit einmalig hohem Niveau.

Der Chen-Familienstil stellt somit das "Original" und den ältesten der Taijiquan-Stile dar, in dem neben den "Taichi-typischen" sanften, fließenden Bewegungen auch z.B. die explosive Entladung von Kraft (als Option) weiterhin überliefert wird.


 
Taiji tut gut, und es tut sich was.
— F. Ries
 

Wie geht das konkret?

Als Lehrer der World Chen Xiaowang Taijiquan Association Germany (WCTAG) mit entsprechenden Zusatzqualifikationen unterrichte ich den Chen-Stil nach Großmeister Chen Xiaowang mit den folgenden Elementen:

  • Aufwärm-, Dehnungs- und Kraftübungen.
  • Die "Stehende Säule", eine Standmeditation zur Feinjustierung der Körperstruktur.
  • Die "Seidenübungen", bewegte Basisübungen, um äußere Bewegung und inneren Energiefluss zusammenzuführen.
  • Die "Handformen", mehr oder weniger lange, festgelegte Bewegungsabläufe, in denen geübt wird, die Prinzipien aus den Basisübungen in entsprechend größerer Bewegungsvielfalt umzusetzen. Meist stehen hier ruhige, sanft fließende Bewegungen im Vordergrund, es gibt aber auch Formen, die sich vor allem auf Explosionsbewegungen konzentrieren.
  • Waffen: Die Bewegungsabläufe mit (ungefährlichen) Übungswaffen erlauben es, den geistigen Fokus der Übung auch über den eigenen Körper hinaus z.B. bis in die Schwertspitze zu verlängern. Ich unterrichte die traditionellen Waffenformen Schwert, Säbel, Langstock/Speer, Glaffe (auch als "Hellebarde" übersetzt), sowie Doppelschwert und Doppelsäbel (mit je einer Waffe in jeder Hand).
  • Taiji-Kugel: Traditionell werden Bewegungen mit schweren Kugeln als Kraftübung in das fortgeschrittene Training mit aufgenommen. Diese Übungen sind hier in einem Bewegungsablauf zusammengefasst, der heute oft auch mit leichten Bällen geübt wird.
  • Partnerübungen: Von festgelegten, ruhigen Bewegungsabläufen zu zweit bis hin zu Wettkampfdisziplinen, schulen diese Übungen die Wahrnehmung der von einem Gegenüber ausgehenden Kraft und den sinnvollen Umgang damit.
  • Sitzmeditation: Kampfkunst auf hohem Niveau steht schon immer mit geistiger Entfaltung ("Erleuchtung") in Verbindung. Meister Jan Silberstorff hat aus den in der Chen-Familie tradierten Übungen ein System zusammengestellt, das hervorragend geeignet ist, Taijiquan-Praktizierende an tiefere Meditationsebenen heranzuführen.